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chem-trucking: Mobiles Chemie-Labor im Kreis Siegen unterwegs

Daniela Krischer hält Josua die Probe unter die Nase. Robin und Leon (r.) notieren die Ergebnisse.

Daniela Krischer hält Josua die Probe unter die Nase. Robin und Leon (r.) notieren die Ergebnisse.

Mit ernstem Blick riecht Josua an dem kleinen Fläschchen, das ihm Daniela Krischer hinhält. Der Schüler des Franziskus-Gymnasiums in Olpe hat mit seinen Gruppenkollegen gerade eine Wasserprobe aus dem Biggesee entnommen – direkt in der Nähe einer Müllhalde. “Riecht ölig, wie an der Tankstelle”, sagt der 14-Jährige.

Robin und Leon notieren die Information auf ihrem Zettel, der ihnen als Anleitung für die Bestimmung der Wassergüte dient. Ebenfalls schreiben sie auf, wo sie die Probe entnommen haben – die Koordinaten hat ihnen ein GPS-Gerät verraten. Dann geht es zur chemischen Analyse.

 

Güteklasse des Wassers bestimmen

Um herauszufinden, welche Güteklasse das Wasser hat, müssen die Achtklässler die Konzentration verschiedener Chemikalien überprüfen. Zuerst messen sie den Sauerstoffgehalt. Auch den pH-Wert ermitteln sie. Mit Hilfe eines Photometers finden sie dann heraus, in welcher Menge die Stoffe Ammonium, Chlorid, Eisen, Nitrat, Nitrit und Phosphat enthalten sind.

Im dem Koffer sind alle Chemikalien zur Messung der Wassergüte vorhanden.

Im dem Koffer sind alle Chemikalien zur Messung der Wassergüte vorhanden.

 

Das mobile Schülerlabor der Universität Siegen ermöglicht es Schulen, ab sofort vor Ort in der Natur chemische Experimente und Analysen zu machen. “Für die Jugendlichen ist es spannend, ihre Umgebung zu erforschen”, sagt Prof. Dr. Martin Gröger vom Fachbereich Chemiedidaktik. Das sei viel motivierender als theoretische Fragestellungen in den Klassenräumen.

 

Proben werden verglichen

Tatsächlich funktioniert das Prinzip: Die Klasse arbeitet konzentriert und motiviert – es werden sogar mehr Analysen gemacht als erwartet; “Wir vergleichen nun unsere Probe von der Müllhalde mit der Probe, die wir weiter unten gefunden haben”, erklärt Josua. Schon der Sauerstoffgehalt zeigt Unterschiede: Das “Müllwasser” beinhaltet weniger Sauerstoff. Je mehr das Wasser enhält, umso höher die Güteklasse.

Zum Vorbereitung auf den Versuchstag ist Philipp Spitzer, Doktorand in der Chemiedidaktik, einige Tage vorher in die Schule gekommen und hat die Versuche erklärt. Vor Ort betreuen dann weitere Doktoranden und Mitarbeiter die Schülerinnen und Schüler. Sie helfen und geben Tipps, ohne belehrend zu arbeiten.

 

Gut genug zum Trinken?

Paula, Vanessa und Jana zeigen die Utensilien für Probenmessungen.

Paula, Vanessa und Jana zeigen die Utensilien für Probenmessungen.

So erklären die Betreuer den Jugendlichen zum Beispiel, dass die Analysen, die sie machen, noch nicht genug über die Qualität des Wassers aussagt, um beispielsweise zu sagen, ob das Wasser trinkbar ist. “Ihr habt doch vorhin so Tierchen gesehen”, erinnert Doktorandin Krischer. “Die konnten wir mit unseren Test nicht nachweisen. Auch Gifte analysieren wir nicht.” Josua und seine Freunde sind sich also einig: Trinken möchten sie das Wasser nicht, weder das Müllwasser noch das saubere der Güteklasse 1.

Am Ende des Vormittags sind die Schülerinnen und Schüler zufrieden. Vanessa sagt: “Ich interessiere mich ohnehin für diese Themen und habe Biochemie als Differenzierungskurs. Aber das hier war richtig interessant und abwechslungsreich. Es ist gut, mal praktisch zu arbeiten.” Auch ihre Klassenkameradinnen Paula und Jana ziehen ein positives Fazit.

 

Buchung ab Sommer möglich

In den nächsten Wochen werden noch Experimente zur Analyse von Bodenproben und Luftproben angeschafft. Ab den Sommerferien kann das Schülerlabor dann unter www.chem-trucking.de gebucht werden. Unterstützt wird die Uni Siegen von dem HuK Umweltlabor, das sich sowohl konzeptionell als auch finanziell beteiligt. Das Projekt wird gefördert aus EFRE-zdi-Mitteln.

Weitere Informationen gibt Martin Gröger (E-Mail schreiben).

chem-trucking ist nun in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein unterwegs.

chem-trucking ist nun in den Kreisen Olpe und Siegen-Wittgenstein unterwegs.

 

8. Mai, 2014 | 18:43
zdi | Zukunft durch Innovation

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