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“Chemie – Feuer und Flamme” in Frechen

Immer wieder geschehen kleine Unfälle im Haushalt oder dem Chemieunterricht. Der Fettbrand, der mit Wasser gelöscht wird oder eine heftige Verpuffung von Lösemitteldämpfen sind keine Seltenheit. Wie aber kann man vorbeugen, was tun, wenn etwas passiert ist? Fragen, mit denen sich Dr. Thomas Bierke im Ferienkurs „Chemie – Feuer und Flamme“ drei Tage lang ebenso beschäftigte wie mit dem Bau einer Streichholz- sowie einer Brausepulverrakete, der Untersuchung von Cola, dem Einfärben von Lebensmitteln mit Smarties, Tee oder Indigo und der Wirkung von Haushaltschemikalien.

„Meine Mutter hat mich für verrückt erklärt als ich ihr erzählt habe, dass ich in den Ferien in die Schule gehen werde. Aber ich habe einfach Spaß an Chemie, finde es toll, dass wir hier sehr viel experimentieren und anders als im normalen Unterricht nichts Aufschreiben müssen“, resümiert Judith Schnitzer, die drei Tage lang aus dem entfernten Zülpich anreiste, um an dem Kurs teilnehmen zu können.

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Erst die Versuchsanordnung lesen, dann einfach loslegen hieß es drei Tage lang am Gymnasium Frechen

Praxis, Praxis und nochmals Praxis

Nahezu ausschließlich praktisch ging es dabei im Gymnasium Frechen zu. Fünfzehn Schülerinnen und Schüler der achten bis elften Jahrgangsstufen experimentierten auf Teufel komm raus und fanden unter anderem heraus, dass die besten Ergebnisse bei genauer Einhaltung der Versuchsanordnungen erzielt wurden. Nicht immer war das etwas für sensible Geruchsnerven. So wurde beispielswiese ein Fleischstück in verschiedene Säuren und Laugen gelegt, um deren Wirkung auf Haut zu zeigen. Sowohl die Geruchsentwicklung als auch das optische Ergebnis im Fleisch werden vermutlich in Zukunft zur Vorsicht beim Umgang mit Haushaltschemikalien beitragen.

Um das Thema Sicherheit ging es auch bei einem Versuch zur Brennbarkeit verschiedener Materialien. Spätestens danach war klar, warum man in Laborräumen Baumwollkittel und keine Nylonstrümpfe tragen sollte. Detaillierte Erklärungen, warum das so ist, waren nicht nötig, die entstehenden Flammen im abgeschlossenen Abzug sprachen für sich.

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Besser nicht im Labor tragen: Die Nylonstrumpfhose nach dem Kontakt mit einem Busenbrenner

Motivation und Zukunftsplanung

„Mich hat der Titel des Kurses angesprochen und ich wollte nicht die kompletten Ferien sinnlos zu Hause sitzen. Es ist schön, die Inspiration der Lehrer zu erleben, neue Leute kennenzulernen, viel zu experimentieren und einfach Spaß zu haben“, meint Muhammed Mirac Cetinkaya aus der Q1 des Gymnasiums Frechen. Mike Ludwig aus derselben Jahrgangsstufe ergänzt: „Ich nehme schon seit der 4. Klasse immer wieder mal an Kursen des LNU teil und jetzt freue ich mich, mit diesem Kurs einen weiteren Schritt hin zu meinem MINT-Zertifikat machen zu können.“

Auch Lehrer Thomas Bierke, der früher an einer Hochschule beschäftigt war, ist vom Konzept des Ferienworkshop, den er bereits mehrfach betreuen konnte, überzeugt: „Es macht einfach sehr viel Spaß, mit motivierten Leuten unabhängig von Lehrplänen und anstehenden Tests und Klausuren experimentieren zu können und die Theorie hinten anzustellen.“

In die Kategorie Spaß viel auch ein Experiment, das seit langem zu den chemischen Kabinettstückchen gehört. Dabei wird ein Taschentuch in eine 1:1-Mischung von Ethanol und Wasser gegeben. Mit einem Streichholz angezündet, brennt es zwar kurz, sieht danach aber aus wie zuvor. Das Geheimnis: Beim Entzünden beginnt der Alkohol zu verbrennen, das Wasser kühlt das Taschentuch, so dass es selber nicht in Brand gerät.

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Nicht weniger Spaß machten das eigenhändige Einfärben von T-Shirts und das Zünden eines kleinen Feuerwerks zum Abschluss des Kurses. Für letzteres wurden ein halbes Kilo Kaliumchlorat und Zucker gemischt und mit tags zuvor selbst hergestellten Zündschnüren. Dafür hatten die angehenden Pyrotechniker unter anderem Natriumnitrat, Holzkohlepulver, Schwefel und Wasser zusammen gebracht. Auf einem Backblech wurde das Gemisch nach draußen getragen und unter großem Beifall, viel Wärme und Rauch gezündet.

Entsprechend positiv fiel auch das anschließende Abschlussgespräch aus. So gaben 14 der 15 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, sich eine Ausbildung oder ein Studium im MINT-Bereich vorstellen zu können, 13 wollen ähnliche Kursangebote wieder besuchen.

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Nicht ganz alltäglich: Eine Schülergruppe, die ihren Lehrer auf Händen trägt

Ein Ergebnis, mit dem auch Paul Feltes, Leiter des zdi-Zentrums, sehr zufrieden sein konnte. „Wir versuchen Angebote zu machen, die nicht nur den Kopf, sondern gleichzeitig die Emotionen der Schülerinnen und Schüler ansprechen. Wenn das Thema MINT positiv besetzt ist, sind auch Berufsperspektiven in diese Richtung vorstellbar.“

Kontakt:
LNU Frechen
http://www.lnu-frechen.de

8. Oktober, 2015 | 10:10
Anja Waschkau
zdi | Zukunft durch Innovation

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