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Hackern auf der Spur ─ Workshop IT-Sicherheit am zdi-Zentrum Hamm

Informatik mal anders ─ Kryptografie ganz praktisch

Codieren, verschlüsseln, verstehen ─ das Thema Datensicherheit ist vielfältig.

Codieren, verschlüsseln, verstehen ─ das Thema Datensicherheit ist vielfältig.

Wenn es bei zdi-Angeboten um den Bereich Informatik geht, dann steht das Programmieren von Robotern oder Apps fürs Smartphone bei den Schülerinnen und Schülern hoch im Kurs ─ die zukünftigen informationstechnischen Assistenten der 13. Klasse des Eduard-Spranger-Berufskollegs in Hamm haben in einem zdi-Workshop jedoch einen anderen Blick auf die Welt der Einsen und Nullen geworfen. Sie setzten sich in einem Workshop des zdi-Zentrums Hamm in Zusammenarbeit mit dem Eduard-Spranger-Berufskolleg und der Hochschule Hamm-Lippstadt mit IT-Sicherheit auseinander.

Prof. Dr.-Ing. Jan Pelzl, Experte für IT-Sicherheit und seit Januar 2015 Dozent an der Hochschule, machte gleich zu Beginn des Workshops deutlich, wie wichtig Datensicherheit gerade für junge Menschen ist: „Jugendliche sollten sich bewusst sein über die Sicherheit beziehungsweise Unsicherheit von heutiger IT und überlegen, welche Nachrichten sie in Foren posten. Diese sind auch Jahre später noch lesbar. Das digitale Abbild wird heute schon im Kindesalter durch die Beiträge in einschlägigen sozialen Netzen und Foren geformt und kann dann nicht mehr einfach gelöscht werden.“

Auf die Perspektive kommt es an

Um zu verstehen, wie weitreichend Handlungen in der digitalen Welt tatsächlich sind, sei immer ein Perspektivwechsel notwendig, betont Pelzl. Einmal ist man Spezialist für IT-Sicherheit, ein anderes Mal schlüpft man in die Rolle des Hackers ─ und genau das machte die Faszination für das Thema IT-Sicherheit bei den Workshopteilnehmern aus. Im Embedded-Systems-Labor auf dem Campus der Hochschule Hamm-Lippstadt generierten die Schüler asymmetrische Schlüssel und erstellten Sicherheitszertifikate zum Schutz wichtiger Daten auf dem Computer.

Bei aller Praxis darf die Theorie im zdi-Workshop aber nicht fehlen, deshalb standen ebenso die mathematisch-technischen Grundlagen der Datensicherheit auf dem Programm ─ und ein zweifacher Ausblick auf das, was die jungen Technikbegeisterten noch erwartet: „Es ist jetzt schon absehbar, dass die Datensicherheit in naher Zukunft zu einem festen Bestandteil der Lehre in informationstechnischen Fächern werden wird“, ist sich Prof. Dr.-Ing. Pelzl sicher.

Im Anschluss an den Workshop erhielten die Schüler darüber hinaus einen Überblick über die Studiengänge der Hochschule Hamm-Lippstadt. Da sie mit ihrem Abschluss als Technische Assistenten der Fachrichtung Informatik gleichzeitig die allgemeine Hochschulreife erwerben, konnten sie so bereits erste Weichen für die Zeit nach der Ausbildung stellen.


Welche Rolle spielt Datensicherheit in Alltag und Lehre? ─ zdi im Gespräch mit Prof. Dr.-Ing. Jan Pelzl

Foto: Jan Pelzl/Hochschule Hamm-Lippstadt

Foto: Jan Pelzl/Hochschule Hamm-Lippstadt

Herr Prof. Dr.-Ing. Pelzl, Sie haben vor kurzem einen zdi-Workshop zum Bereich Datensicherheit für eine Gruppe angehender informationstechnischer Assistenten durchgeführt.
Wie kann Datensicherheit bereits in der Schule ein Thema im Unterricht werden?

Eine Einführung in die Grundlagen der Datensicherheit und die zugrundeliegenden Verfahren lässt sich meistens einfach bewerkstelligen. Durch den zusätzlichen Einsatz von frei verfügbarer Software können wir die Schülerinnen und Schüler genauso wie junge Studierende zusätzlich motivieren, sich mit der Materie zu beschäftigen und dadurch den Lernerfolg untermauern.

Welche Hürden sehen Sie, die diesbezüglich noch überwunden werden sollten?

Wie in vielen technischen Fächern wird auch bei der Datensicherheit ein mathematisch-naturwissenschaftliches Grundwissen vorausgesetzt. Insbesondere müssen wir für das tiefergehende Studium von kryptografischen Verfahren diskrete Mathematik einführen, welche in den meisten Fällen noch nicht Bestandteil des Lehrplans ist.

Herr Prof. Dr.-Ing. Pelzl, wie sicher geschützt sind Ihre eigenen Daten?

Es kommt darauf an. Daten mit einem hohen Schutzbedarf habe ich durch mehrere Maßnahmen geschützt. Einfache Daten, deren Verlust zu verschmerzen ist, nur mit einfachen Maßnahmen. Sie dürfen sich das jedoch nicht zu kompliziert vorstellen. Die meisten meiner Schutzmaßnahmen sind sehr simpel, aber sehr wirksam. So fertige ich von wichtigen Daten immer mehrere Backups an – natürlich verschlüsselt.

Woran forschen Sie gerade genau?

Unter anderem arbeite ich seit Jahren in dem Bereich der Automotive Security, das heißt dem Schutz von Fahrzeug-IT gegen Angriffe. Derzeit diskutieren wir hier beispielsweise Ansätze zum frühzeitigen Erkennen von Angriffen auf Fahrzeuge während der Fahrt, um die Sicherheit im Straßenverkehr von morgen zu erhöhen. Darüber hinaus ist die IT-Sicherheit von medizintechnischen Geräten ein Thema, welchem wir zunehmend Aufmerksamkeit widmen.

Wie wichtig ist für Sie das Thema Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern?

Der sichere Umgang mit Medien ist notwendig, um beispielsweise komplizierte technische Themen geeignet darstellen zu können. Gerade in einem Bereich wie der Datensicherheit müssen wir häufig Sachverhalte für Endanwender und Kunden abstrahieren und angemessen darstellen. Ein geschickter und effizienter Umgang mit Medien ist daher von Vorteil.

Ab welchem Alter ist es sinnvoll, Schülerinnen und Schülern Themen rund um Medienkompetenz, Digitalisierung sowie Datensicherheit zu vermitteln?

Der Grundstein hierfür sollte frühzeitig, das heißt bereits in der Grundschule, gelegt werden, um die Schülerinnen und Schüler langsam an derartige Themen heranzuführen.

Auf der diesjährigen Bildungsmesse didacta war Digitalisierung in der Bildung das Thema.  Es zeigte sich, dass sich zwar viele Lehrkräfte damit auseinandersetzen, die meisten aber überfordert sind mit der schnellen technologischen Entwicklung und mangelhaften Ressourcen, die ihnen zur Verfügung stehen.
Existieren bereits Lehrmaterialien zum Thema?

Ich bin kein Experte für neuen Medien, bin aber sicher, dass es hierzu ausreichend Lehrmaterialien gibt. Für den Bereich der Datensicherheit gibt es zahlreiche Angebote zum Selbststudium für Lehrende und Studierende.

Wie können sich Lehrkräfte schnelle technologische Veränderungen am besten erschließen bzw. sie vermitteln?

Lehrkräfte benötigen in meinen Augen lediglich Spaß an neuen Technologien und einen starken Willen zum lebenslangen Lernen. Auch können sie von Studierenden viel lernen.

Auch ohne angehender informationstechnischer Assistent zu sein – was sind die wichtigsten Schritte für mehr Datensicherheit im Alltag?

Das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Datensicherheit muss in erster Linie geschärft werden. Anschließend sollte man alle Bereiche betrachten, in denen Risiken durch die Verwendung von IT entstehen können. Daraus lassen sich dann Maßnahmen der IT-Sicherheit ableiten.

27. Februar, 2017 | 11:33
Autorin: zdi/cgl
zdi | Zukunft durch Innovation

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