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„Wir dürfen das Know-how der Kinder nicht unterschätzen.“

Dietmar Kemper, Lehrer für Mathematik und Technik sowie Medienberater des Kreises Borken,  engagiert sich für die didaktische Nutzung der Robotik im Schulunterricht in Nordrhein-Westfalen – auch in Grundschulen. In den letzten Jahren beteiligte er sich als Coach von diversen Teams am zdi-Roboterwettbewerb. Zum Auftakt des diesjährigen zdi-Roboterwettbewerbs haben wir uns mit ihm über seine Erfahrungen beim Einsatz von Robotik in Schulen unterhalten.

 

 

Wie sind Sie zur Robotik gekommen?

Ich habe schon als Jugendlicher gerne mit Kindern gearbeitet. Bevor ich Lehrer wurde habe ich Wirtschaftsingenieurswesen studiert und war in der freien Wirtschaft tätig. Während meines anschließenden Lehramtsstudiums besuchte ich eine Weiterbildung über Technikdidaktik an der Universität Münster. Mein Dozent war Udo Ossendoth, Vorsitzender des Vereins ‚Hands on Technology‘, der die First Lego League (FLL) in Deutschland organisiert. Diese Weiterbildung war mein Startschuss – danach war ich Feuer und Flamme für den Einsatz von Robotik im Schulunterricht.

Wie sieht Ihr Engagement in Sachen Robotik aus?

Anfangs habe ich Schulteams gecoacht und auf Wettbewerbe vorbereitet. Meine Teams waren erfolgreich, das hat sich rumgesprochen. Die Anfragen überstiegen meine zeitlichen Ressourcen. Daher übernehmen seit einigen Jahren Neunt- und Zehntklässler meiner Schule auch Coachingaufgaben. Sie kümmern sich um den Nachwuchs aus der fünften und sechsten Klasse. Da auch das Interesse der Grundschulen stieg, habe ich Lehrpläne für Grundschulen entworfen. Diese führen schrittweise in das Lego Mindstorms System ein. Dies ermöglicht Grundschullehrerinnen und -lehrern eine intensive Betreuung der Kinder.

Was macht Robotik-Didaktik so spannend für den Unterricht an Schulen?

Ganz kurz formuliert: es fördert die intrinsische Motivation. In den Roboter-AGs bekommen Kinder und Jugendliche eine Aufgabe gestellt an der sie gemeinsam für einen gewissen Zeitraum arbeiten. Es ist ein freieres und selbstgesteuertes Arbeiten. Ergebnisse werden nicht benotet und die Aufgabenstellung ist meist fächerübergreifend. Schülerinnen und Schüler erfahren gruppendynamische Prozesse einer Projektarbeit, ihre Soft-Skills werden gefördert. Einmal sagte eine Schüler während einer Roboter-AG zu mir: „Lernen macht so viel Spaß.“ Solch ein Engagement und Begeisterung erhalten sie sehr selten von Schülern in einer normalen Unterrichtsstunde.

Was empfehlen Sie Grundschulen, die eine Robotik-AG gründen möchten?

An oberster Stelle steht das Personal. Sie brauchen engagierte Lehrerinnen und Lehrer. An Freiwillige oder Sponsoren sollte man auch denken. Dann sollte eine Zeitschiene festgelegt werden. Findet die Robotik-AG während der offenen Ganztagsschule oder im
Förderunterricht statt? Für die AG benötigen sie natürlich auch Hardware, wie Rechner und die Roboterbauteile. Schlussendlich braucht die AG auch eine Räumlichkeit.
Fragen Sie sich: Können wir das? Wollen wir das? Haben wir genug Unterstützung? Was ist unser Leitbild? Gerne stehe ich zu einer Kurzpräsentation, z.B. während einer Schulkonferenz, zur Verfügung.

Sollten Mädchen gesondert gefördert werden?

Zuerst möchte ich sagen: Mädchen zeigen ein sehr großes Interesse an Robotik. Sie arbeiten genauso gut, sind genauso begeistert wie ihre Schulkollegen. An meiner Schule gibt es sogar eine reine Mädchen-Roboter-AG.
Bei gemischten Teams ist es allerdings oft so, dass direkt Jungen den Technikbereich dominieren. Daher empfehle ich eine klare Aufgabenverteilung, die beide Geschlechter gleichberechtigt in die Aufgabenstellung einbezieht. Ansonsten würde ich geschlechtergetrennt arbeiten.

In welchem Alter sollte Ihrer Meinung nach die MINT Förderung beginnen?

Ganz simpel: von Anfang an. Sobald ein Kind laufen kann, macht es Naturwissenschaft. Nach dem wissenschaftlichen Prinzip ‚trial and error‘ lernen Kinder von Anfang an. Die MINT-Förderung sollte direkt im Kindergarten ansetzen. Das Konzept „Haus der kleinen Forscher“ bietet hier viele Möglichkeiten. Wir dürfen das Know-how der Kinder und Jugendlichen nicht unterschätzen. Für sie ist die Welt der Technik selbstverständlich. Sie bestaunen nicht die technischen Phänomene an sich. Für sie ist das ganz normal. Die Begeisterung entsteht, wenn sie ein technisches Problem lösen können.

28. September, 2017 | 10:13
zdi | Zukunft durch Innovation

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