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Studieren in den Herbstferien – Kinder-FH in Dortmund

Wieviel Strom gibts fürs Taschengeld? Fotos: zdi-Geschäftsstelle

Wieviel Strom gibts fürs Taschengeld? Fotos: zdi-Geschäftsstelle

“Wie funktioniert ein Kraftwerk?” Janines Finger schnellt nach oben. Aufgeregt spielt sie an dem orangefarbenen Band um ihren Hals. Daran hängt ein Schild, “Studierendenausweis Fachhochschule Dortmund” ist darauf zu lesen. Janine sieht mit ihrer Jeans und dem blauen Pulli zwar aus wie viele andere Studentinnen der FH. Doch sie ist erst elf Jahre alt. Drei Tage ist sie Studentin, auf Probe quasi. Sie nimmt an der Kinder-FH Dortmund teil, die in Kooperation mit dem zdi-Zentrum Dortmund macht MINT stattfindet. Und was Kraftwerke betrifft, kennt sie sich bereits bestens aus.

Wie kommt der Strom in die Steckdose?

“In einem Kohlekraftwerk wird die Kohle verfeuert und damit Wasser erhitzt. Der Wasserdampf treibt eine Turbine an und die macht dann Strom”, erklärt sie aus dem Stehgreif. Ihr blonder Pferdeschwanz ist dabei kaum zu sehen in dem großen Stuhl des Hörsaals. Zusammen mit 13 anderen Kindern lernt Janine in der ersten Herbstferienwoche den Alltag in der Elektrotechnik an der Fachhochschule kennen. Nach dem Motto “Elektrotechnik zum Anfassen” bauen sie ein eigenes Solarmodell, programmieren einen Roboter und sitzen Probe in einem echten Rennwagen der FH-Fahrzeugbauer. Zum Einstieg aber besuchen sie am ersten Tag erst einmal Vorlesungen zum Thema Strom. Dabei beweisen die Studis zwischen neun und elf Jahren eine erstaunliche Fachkenntnis.


Wieviel Strom gibt’s fürs Taschengeld?

“Ihr wisst ja mehr als manche Studierende hier”, ist Kai Luppa begeistert. Der Professor der Elektrotechnik rechnet mit den Kindern aus, wie viel Strom sie für ihr gesamtes Taschengeld bekommen würden. Ganz altmodisch an der Tafel  macht er das. Wie in der Schule. Bei durchschnittlich 15 Euro im Monat pro Nase wären das 60 kWh, so die Rechnung der Kinder.

Doch die ungewohnte Hörsaalsituation ist nicht für jeden etwas. Nach zwei Mini-Vorlesungen wird es unruhig im Saal. Auch Jan aus Dortmund findet “das Rumsitzen und Zuhören etwas langweilig”. Wie gut, dass es an der FH grundsätzlich praktischer zugeht. Denn dafür ist der Neunjährige schließlich hierhergekommen: “Ich hatte da total Lust drauf, weil man hier was bauen kann.” Zuhause hat er einen elektrischen Zug mit Lego selbst gebaut. Jetzt ist er gespannt, wie man solche Dinge in Groß konstruiert.


Vorlesungen, Forschen, Mensaessen

Nach dem Mittagessen geht es dann auch ab ins Labor zum praktischen Teil. Die Kinder sehen einen Kraftwerksgenerator wie aus einem Kohlkraftwerk in Miniatur und testen eine Fahrstuhlsteuerung. Als Highlight dürfen sie einen Roboterarm steuern. Ganz schön knifflig, so etwas selbst zu lenken! Jan aber steuert den Arm souverän und schafft es, das Bonbon mit dem Greifarm hochzuheben. Im Hochspannungslabor heißt es dann “Ohren zuhalten!”. Denn wenn so ein Blitz auf eine Glasscheibe trifft, kann das ganz schön laut werden. “Wie bei Frankenstein”, ruft einer der Mini-Studenten fasziniert.


Uni in den Herbstferien

Die Kinder-FH an der FH Dortmund ist ein beliebtes Ferienprogramm geworden. Bereits zum vierten Mal findet sie in den Herbstferien statt. Rege Nachfrage herrscht dabei in jedem Jahr. Organisatorin Marion Kriewald-Paschai von der FH Dortmund wünscht sich für die Zukunft vor allem noch mehr Kinder von Haupt- und Realschulen: “Wir wollen das Angebot gern allen Kindern zugänglich machen.” Die Mädchen unter den Schnupper-Studis können sich die drei Tage FH in jedem Fall schon für den doMINT-Pass anrechnen lassen.

Ob im Hochspannungslabor, an der Hochgeschwindigkeitskamera oder in der Werkstatt der Fahrzeugbauer: Den kleinen Studierenden ist die Begeisterung am FH-Leben schon am ersten Tag deutlich anzumerken. Gut möglich, dass unter den Ferien-Studierenden einige FH-Anwärter von morgen sind. Zwischen den ganzen “großen” Studierenden bewegen sich die Kleinen jedenfalls schon so, als wären sie täglich dort.

20. Oktober, 2014 | 11:21
Autorin: mwi
zdi | Zukunft durch Innovation

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