Startseite » Aktuelles » Landwirtschaft und Klimawandel in Rheinbach

Landwirtschaft und Klimawandel in Rheinbach

Am Campus Klein-Altendorf der Landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Bonn wird an Fragen zum Klimawandel und Klimaschutz geforscht. Im Zentrum stehen die Folgen des Klimawandels bei unseren Kulturpflanzen und wie man diesen begegnen kann. Eine nachhaltige Energieversorgung mit nachwachsenden Rohstoffen liefert wichtige Ideen für einen aktiven Klimaschutz.

Beim zdi-Projekttag  wurde den Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 11 des Vinzenz-Pallotti-Kollegs und des Erzb.-St.-Joseph-Gymnasiums Rheinbach gezeigt, wie Forschung in die Praxis umgesetzt werden kann. Dabei erhielten die Schülerinnen und Schülern ein Einblick in das Studium und die aktuelle Forschung. An praktischen Beispielen erlebten die Schülerinnen und Schüler dann die Forschung aktiv.

Schnuppervorlesung und Praxismodule

Der Tag begann mit einer Schnuppervorlesung von Prof. Dr. Ralf Pude zum Thema „Nachwachsende Rohstoffe 2.0 – was kann man mit den neuen nachwachsenden Rohstoffen machen“.

Prof. Dr. Ralf Pude hält eine Schnuppervorlesung.

Prof. Dr. Ralf Pude hält eine Schnuppervorlesung.

Danach teilten sich die Klassen in kleine Gruppen auf, um die einzelnen Stationen nach und nach zu erarbeiten. In diesen Praxismodulen erlebten die Jugendlichen hautnah, wie spannend und abwechslungsreich Landwirtschaft sein kann – und dass es weit mehr bedeutet, als man gemeinhin von einem Bauernhof kennt.

Die Praxismodule erläutern landwirschaftliche Fragestellungen

Wie viel Energie liefern Nachwachsende Rohstoffe? Die verschiedenen Energieformen werden hinsichtlich der Energiegehalte verglichen werden. Dabei werden Fragen beantwortet wie „Welche Fläche wird benötigt, um die Energie von 1000L Öl zu ersetzen?“ oder „Sind alle nachwachsenden Rohstoff gleich gut geeignet?“. Am Beispiel der Energieorgel wird vermittelt, wie man Rohstoffe vergleichen kann und wie Rohstoffe aufgearbeitet werden können.
Praxis: Demonstration Energie-Orgel. Wie viel Volumen braucht man für einen Liter Öl? Wie kann man das Volumen verkleinern (Pelletieren, Brikettieren)?Die Schüler fanden heraus, welche Energiemenge jeder Rohstoff erbringt.

Die Energie-Orgel zeigt, wie viel welchen Rohstoffs man braucht, um einen Liter Öl zu ersetzen.

Die Energie-Orgel zeigt, wie viel welchen Rohstoffs man braucht, um einen Liter Öl zu ersetzen.

Wie Obstbäume zu Energie werden. Es wurde gezeigt, dass Obstbäume nicht nur Nahrungsmittel liefern, sondern auch als Energiequelle genutzt werden können. Dieses Beispiel erklärt, wie mit innovativen Ideen ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann.
Praxis: Warum werden Obstbäume überhaupt geschnitten und was kann man mit dem Schnittholz- und Rodungsholz machen? Schüler erleben, wie viel Schnitt- und Rodungsholz anfällt und wie viel Energie man daraus gewinnen kann.

Hier wird Schnittholz in einer Solaranlage getrocknet.

Hier wird Schnittholz in einer Solaranlage getrocknet.

Nachwachsende Rohstoffe 2.0. Schülern lernen die vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten von NaWaRo (Nachwachsende Rohstoffe) kennen. Dazu gehören Leichtbeton, Papier, Tiereinstreu… und vieles mehr. Der Abfall von gestern ist der Rohstoff von Morgen. Nachwachsende Rohstoffe können mehrfach genutzt werden (Kaskadennutzung). Durchwachsende Silphie und Sida – gestern noch Zierpflanze, morgen schon ein neuer Energielieferant?
Demonstration: Was kann man alles aus NaWaRo herstellen. Wasseraufnahmetest mit Miscanthus.

Ohne Bienen gibt es keine Äpfel. Am aktuellen Beispiel des „Bienensterbens“ wird gezeigt , welche Leistungen Bienen für Landwirtschaft erbringen und das der Erhalt der Biodiversität für eine erfolgreiche Produktion von Nahrungsmitteln erforderlich sind.
Demonstration: Bienen und Nützlinge im Obstbau.

Es summt und surrt: Bienen sind wichtig für die Umwelt.

Es summt und surrt: Bienen sind wichtig für die Umwelt.

Wie findet man Pflanzen, die an den Klimawandel angepasst sind? Der Klimawandel wartet nicht. Daher müssen Pflanzen schnell gefunden werden, die mit weniger Wasser auskommen oder an höhere Temperaturen angepasst sind. Mit neuen Sensoren kann die Photosynthese von Pflanzen oder die Folgen von Trockenheit gemessen werden.
Demonstration: Praktische Vorführung von Sensoren und was man damit über die Pflanze herausfinden kann.

Erdlos Moore schützen. Um unsere Moore aktiv zu schützen, wird nach Alternativen für Torf gesucht. Auch hier können Nachwachsende Rohstoffe eingesetzt werden. Den Schülern wird gezeigt, wie man Ersatz für Torf findet, die teilweise oder vielleicht sogar ganz (=erdlos) ersetzen kann.
Demonstration: Studenten der Universität Bonn werden mit den Schülern Pflanzenwachstumsversuche anlegen und auswerten.

Von Rheinbach in die Welt. Die Forschung an Reispflanzen am Campus Klein-Altendorf zeigt, wie Wissenschaftler weltweit forschen. Reis gehört zu den wichtigsten Nahrungsmitteln der Welt. Er kann allerdings nur unter bestimmten Bedingungen gut gedeihen.
Besichtigung: Es werden die Reisversuche am Campus Klein-Altendorf vorgestellt. Dieses Reisversuchsfeld ist mit seinen 120m² das größte Deutschlands.

 

Mit 120 Quadratmetern, kaum größer als eine normale 4-Raum-Wohnung, ist dieses Reisversuchsfeld das größte in Deutschland.

Mit 120 Quadratmetern, kaum größer als eine normale 4-Raum-Wohnung, ist dieses Reisversuchsfeld das größte in Deutschland.

 “Toll, Personen hinter den Ideen kennenzulernen”

Am Ende des Tages sind alle zufrieden. Die Rückmeldung der Jugendlichen ist positiv. “Es war ein interessanter Einblick in die Arbeit und Forschung”, sagt eine Schülerin. “Ich fand es toll, die Personen hinter den Ideen kennen gelernt zu haben.” Und ein Mitschüler ergänzt: “Man denkt jetzt eher darüber nach, ob man die Entwicklungen von hier später nutzen kann. Die Dämmstoffe zum Beispiel.”

Auch Prof. Pude ist überzeugt von dem Kurzkonzept: “Für uns als Hochschule lohnt sich so eine Veranstaltung, weil wir direkt an die jungen Menschen heran kommen. Wir suchen Querdenker und brauchen Leute mit Ideen. Es ist sinnvoll, heterogene Gruppen zu nehmen, um auch denjenigen, die bisher noch keine Affinität haben, anzusprechen und zu inspirieren.” Und das scheint dem Team gelungen zu sein.

23. Juni, 2014 | 10:15
zdi | Zukunft durch Innovation

zdi | Zukunft durch Innovation