Startseite » Aktuelles » Lernen von der Natur – Bionikkurs an der HS Ruhr West

Lernen von der Natur – Bionikkurs an der HS Ruhr West

Mucksmäuschenstill war es am 19. September, als 21 Jugendliche aus zwei NW-WP-Kursen der Jahrgangsstufe 9 Dr. Judith Gebhardt bei deren Einführung in den MINT-BSO-Kurs „Bionik – eine Methode der Ingenieure“ des zdi-Zentrums MINT4u lauschten. Die bisherige MINT-Koordinatorin der Hochschule Ruhr West, die ihr Amt kürzlich an Carolin Leushacke abgegeben hatte, nahm die zwölf Jungs und neun Mädchen mit auf eine virtuelle Reise durch Deutschlands jüngste Hochschule, deren hochmoderne Räumlichkeiten erst im Februar bezogen worden waren. Dass es für viele der erste Kontakt mit einer solchen Einrichtung war, zeichnete sich schnell ab, da Fragen nach der Bekanntheit von Begrifflichkeiten wie Numerus clausus oder Credits auf größeres Schulterzucken stießen. Es dauerte jedoch nicht lange, bis alle Unklarheiten über Unterschiede zwischen Fachhochschulen und Universitäten oder die verschiedenen ingenieurwissenschaftlichen Studiengänge an der Hochschule beseitigt waren.

bionik_lehrer_klein

Dr. Judith Gebhardt von der Hochschule Ruhr West leitete den Kurs, Ralf Albers und Volker Smit von der Gustav-Heinemann-Gesamtschule begleiteten 21 Schülerinnen und Schüler aus zwei NW-WP-Kursen.

Lernen von der Natur

Wer Angst hatte, dass sich hinter dem Kursthema viel Theorie verbergen würde, wurde schnell eines Besseren belehrt. Selbst das „Minimum-Maximum-Prinzip“, also der Versuch, mit wenig Einsatz möglichst viel Leistung und Stabilität zu produzieren, verlor mit anschaulichen Beispielen schnell alles Theoretische: Wohl dauerhaft hängen bleiben werden die mit rund 4 Millionen Euro horrend hohen Kosten für die Betankung eines großen Containerschiffes, das dank einer den Delfinschnauzen abgeschauten Bugform – dem Wulstbug – bei jeder Betankung rund 240.000 Euro einsparen kann. Auch der Einsatz einer haihaut-ähnlichen Beschichtung bei modernen Schiffen trage, so Dr. Judith Gebhardt, dazu bei, weniger Treibstoff zu verbrauchen. Geradezu nebenbei war mit diesen Beispielen auch das Top-Down-Prinzip erklärt, das eine technische Fragestellung beinhaltet und nach möglichen Lösungen in der Natur schaut. Bevor es ans selber Ausprobieren ging, lernten die Schülerinnen und Schüler auch das umgekehrte Prinzip, den Bottom-Up-Prozess kennen. Antworten auf interessante Fragestellungen wie „warum frieren Eisbären nicht“ oder „warum können Geckos Glasscheiben hochlaufen“ dienen mittlerweile dazu, energetisch hochwertige Häuser oder wiederverwertbare Klebematerialien zu entwickeln.

„Verstehen – Aufbauen – Durchführen – Dokumentieren“ stand im Mittelpunkt des zweiten Kursteils, in dem in vier Gruppen verschiedene Versuche auf dem Programm standen. Dazu gehörten Themen rund um die Kraftaufnahme am Klettverschluss eines Rennradschuhs, dem Lotus-Effekt, dem Vergleich der Wirkungsweisen eines pneumatischen Zylinders und eines Fluidic Muscle sowie die Bauteiloptimierung am Beispiel von Sektgläsern.

bionik_lotus_klein

Wie funktioniert der Lotuseffekt? Nach dem Kurs wussten die Schülerinnen und Schüler bestens Bescheid.

Win-Win-Situation für alle Beteiligten

Lilli, Leonie und Florian, alle zum ersten Mal Teilnehmer eines Kurses an der Hochschule, waren voll des Lobes. „Cool“, „was echt Neues“ oder „sehr interessant für die berufliche Perspektiven“ waren nur einige Stichworte, die den 14- bis 15-Jährigen spontan einfielen. Auch Judith Gebhardt ist von der Sinnhaftigkeit des Hochschulangebotes überzeugt: „Wir wissen, dass unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer viel von solchen Tagen mitnehmen. Schon jetzt können wir Studierende begrüßen, die über ihre Schulen erste Kontakte zu uns hatten und später zum Beispiel Praktika bei uns absolviert haben. Auch viele Lehrerinnen und Lehrer kommen mit neuen Klassen immer wieder und ermöglichen den Schülerinnen und Schülern damit, erstmalig Hochschulluft zu schnuppern und die eventuell vorhandene Scheu zu verlieren.“ Auch die NW-Lehrer Ralf Albers, der erstmalig teilnahm, und NW-Koordinator Volker Smit, der bereits vielfach Gast der Hochschule war, zeigten sich zufrieden mit dem Tag, der schulisch in eine Sonderwoche fiel, an dem für die Neuntklässler das Thema Berufsorientierung im Vordergrund stand: „Außerschulische Lernorte beinhalten immer eine große Motivation für die Kids. Schon morgen begleiten wir weitere Schüler zum Kurs Virtual Reality hier an die Hochschule.“

Kontakt:
zdi-Zentrum mint4u Bottrop
c/o Hochschule Ruhr West
Anna-Kristin Albers
E-Mail: anna-kristin.albers@hs-ruhrwest.de
Internet

20. September, 2016 | 09:01
Anja Waschkau
zdi | Zukunft durch Innovation

zdi | Zukunft durch Innovation