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“MINT ermöglicht eine analytische Herangehensweise an Nachhaltigkeitsthemen” – Interview mit Simon Lange

Simon Lange zeigt: Die Biogasanlage funktioniert einwandfrei! Foto: privat

Simon Lange zeigt: Die Biogasanlage funktioniert einwandfrei! Foto: privat

Herr Lange, Sie interessieren sich sehr für Umwelt und Nachhaltigkeit – und Sie studieren Maschinenbau. Wie passt das zusammen?

Ich bin sehr technikbegeistert, deswegen habe ich das Maschinenbaustudium gewählt. Aber ich versuche dort auch, mein Interesse für Umweltschutz mit einzubringen. Das geht ja super – egal ob es um Elektroautos oder erneuerbare Energien geht, überall werden Maschinenbauingenieure gebraucht.

Möchten Sie Ihre Kenntnisse aus dem Maschinenbau auch genau in diesem Bereich mit Umweltschutz verbinden?

Das kann ich mir auf jeden Fall gut vorstellen. Es müssen aber nicht unbedingt Elektroautos sein. Mich interessiert Elektromobilität allgemein, und da gibt es ja zum Beispiel auch in der Schifffahrt oder im Bahnverkehr Einsatzmöglichkeiten – der Bezug zum Umweltschutz sollte aber immer gegeben sein.

Und wenn Sie die Chance hätten, sich Ihren Traumberuf zu basteln – Wie wäre er?

Dann würde ich gerne als Projektleiter bei einem Automobilhersteller an einem Elektroauto arbeiten.

Welche Bedeutung haben MINT-Fächer für Nachhaltigkeit Ihrer Meinung nach?

MINT ermöglicht eine analytische Herangehensweise an Nachhaltigkeitsthemen. Man arbeitet sachlich, faktenorientiert, sehr wissenschaftlich und weniger emotional. Dadurch kommt man schnell zu Lösungen für Probleme, und das ist ja gerade im Umweltschutz wichtig. Außerdem ergibt sich zusammen mit der üblichen emotionalen Herangehensweise an Umweltthemen eine gute Mischung, finde ich.

MINT bedeutet für mich, dass diese analytische Herangehensweise an Probleme sehr wichtig ist und sehr gut auf den Umweltschutz oder den Klimawandel übertragen werden kann.

Konkret setzen Sie sich für den Klimaschutz ein. Woher kommt dieses zusätzliche Interesse?

Natürlich haben meine Eltern mir immer beigebracht, die Umwelt zu schützen. Mein Wohnort an der Kieler Steilküste spielt wohl auch eine Rolle, da die Steilküste immer weiter abbricht und man so direkt vor Augen hat, wie wichtig Klimaschutz ist. Klimaschutz war außerdem immer ein Thema bei uns in der Schule. Aber so richtig Fahrt aufgenommen hat dieses spezielle Engagement wohl mit meiner Teilnahme am WWF 2° Campus.

Aktuell engagieren Sie sich als Klimadelegierter des Jugendbündnisses Zukunftsenergie. Was macht man als Klimadelegierter?

Klimadelegierter zu sein ist ein sehr umfangreicher Job. Man versucht über das ganze Jahr, Informationen zum Thema „Klima“ für Jugendliche aufzubereiten und sie zu publizieren. Besonders stressig ist es, wenn Klimakonferenzen stattfinden. Wir sind dann vor Ort, nehmen an den Konferenzen teil. Dann schreiben wir täglich Artikel, posten Beiträge auf Facebook und Twitter oder drehen Videos von den Aktionen, die wir vor Ort starten. Wir interviewen verschiedene Teilnehmer der Konferenz, sprechen mit der deutschen Klimadelegation und vertreten die Interessen von Jugendlichen.

Haben Sie noch weitere Ideen für eigene Projekte, die Sie in Zukunft noch umsetzen möchten?

Simon Lange (links) und sein Projektpartner Jorma Görns sind sehr stolz auf ihre selbst konstruierte Biogasanlage. Foto: privat

Simon Lange (links) und sein Projektpartner Jorma Görns sind sehr stolz auf ihre selbst konstruierte Biogasanlage. Foto: privat

Ja, das habe ich sogar schon gemacht, zusammen mit meinen Kumpels. Wir haben aus einem Fahrrad ein Windrad gebaut, mit dem wir wiederum unser Handy geladen haben.

Das letzte größere Projekt war eine Biogasanlage, die ich zusammen mit Jorma Görns, einem Freund an meiner alten Schule, gebaut habe. Dafür haben wir in diesem Jahr auch den Greentec Award verliehen bekommen. Die Anlage produziert Gas aus Essensabfällen. Wichtig war uns dabei, aus der Tank-oder-Teller-Debatte rauszukommen. Meist werden für Biogasanlagen Flächen genutzt, auf denen eigentlich Nahrungsmittel angebaut werden könnten.

So sind die Anlagen nicht wirklich CO2-neutral. Unsere Anlage verwertet im Gegensatz dazu Abfälle. Natürlich in einem sehr kleinen Maßstab, aber sie zeigt den Schülern, dass man sich auch zu Hause mit einfachen Mitteln für den Umweltschutz einsetzen kann und ist ein gutes Anschauungsobjekt für physikalische und biochemische Prozesse bei der Abfallverwertung.

Herr Lange, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg für alle Ihre Vorhaben!

1. September, 2016 | 17:18
Autor: zdi/cgl
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