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„Naturschutz ist mehr als Reden und Plakate kleben“ – Interview mit Laura Harth

Studentin Laura Harth – hier bei der Vogelberingung in einem niederländischen Nationalpark im ERASMUS-Praktikum.

Studentin Laura Harth – hier bei der Vogelberingung im niederländischen Nationalpark Hoge Veluwe im ERASMUS-Praktikum. (Foto: Privat)

Wie hängt Ihr Studium mit Ihrem Interesse für den Umweltschutz zusammen?

Im Bachelor habe ich Biologie studiert, schon dabei habe ich meinen Schwerpunkt auf die Ökologie gelegt. Aktuell studiere ich im Master „Evolution, Ecology & Systematics“. Der Studiengang legt den Fokus auf Wechselwirkungen in großen Systemen, zum Beispiel zwischen Pflanzen, Tieren und Umwelteinflüssen. Man lernt globale Zusammenhänge zu beobachten, was auch im Zusammenhang mit der Klimaforschung interessant ist. Absolventen können damit im praktischen Naturschutz, z.B. in der Flächen- und Stadtplanung arbeiten, viele wollen aber auch in die Forschung.

 

Wie ist Ihr Engagement für die Umwelt entstanden?

Naturschutz war immer schon ein wichtiges Thema für mich. Ich mag Tiere und war immer schon gerne draußen unterwegs. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussion über Käfighühner, das war die erste Debatte, die ich als Kind bewusst verfolgt habe. Ich habe schon als Kind im Tierheim unterstützt, war dann im Tierschutz aktiv. Glücklicherweise habe ich früh die Erfahrung machen dürfen, dass Engagement etwas bringt. Zum Beispiel habe ich mich erfolgreich mit der Umwelt-AG für Recycling-Papier an unserer Schule stark gemacht. Im Bachelor war ich dann bei der Bund Naturschutzgruppe.

 

Welche Bedeutung haben MINT-Fächer Ihrer Meinung nach für eine nachhaltige Entwicklung?

Ich denke, die MINT-Fächer sind sehr wichtig. Im Naturschutz arbeiten sehr engagierte Menschen, z.B. Ingenieure, die Erneuerbare Energien voranbringen. Ich denke, es ist von großer Bedeutung, jungen Leuten klar zu machen, dass sie sich auch mit Fächern wie Physik, aktiv für die Umwelt und umweltfreundliche Lösungen einbringen können. Das war mir als Schülerin so nicht klar. Viele denken, Umweltschutz ist Reden und Plakate kleben. Dabei ist es viel mehr, gerade auch mit Forschung und Entwicklung von Erneuerbaren Energien oder Speicherlösungen tragen wir zu einer nachhaltigen Entwicklung bei.

Parallel studieren Sie aber noch BWL – Was treibt Sie an?

Ich studiere zusätzlich noch BWL für Naturwissenschaftler und Ingenieure im Master. An finanziellem Wissen mangelt es vielfach noch im Naturschutz, dabei helfen BWL-Kenntnisse um viele Prozesse effektiver zu gestalten. Mein WWF-Praktikum hat mich überzeugt, mich in diesem Bereich weiterzubilden.

Und was wäre Ihr persönlicher Traumberuf?

Ich möchte später gerne Nachhaltigkeit mit meinem Beruf verbinden, aber auch mit fairen Arbeitsbedingungen. Mein Traumberuf wäre eine Stelle bei einem Vermarkter für Biolebensmittel, an der Schnittstelle zwischen Biohöfen und Einzelhandel. Ich möchte für faire Preise für die Produzenten sorgen und mich auf der anderen Seite dafür einsetzen, dass sich die Menschen nachhaltige Lebensmittel leisten können und erfahren, dass sie mit ihren Konsumentscheidungen etwas bewirken können.

Was würden Sie jungen Menschen raten, die ein Studium mit einem nachhaltigen Engagement verbinden wollen?

Bei meiner Entscheidung für das Studienfach Biologie war von großer Bedeutung, dass ich sowohl die Natur als auch das Forschen spannend fand. Ich wollte einen abwechslungsreichen Beruf, fand die Projektarbeit spannend. Ich kann für mich von Glück reden, dass ich Lehrer hatte, die mich unterstützt haben. Ich mochte schon immer Naturwissenschaften, hatte aber Respekt vor einem hohen Matheanteil. Im Nachhinein wäre auch ein Chemiestudium gut machbar gewesen, denke ich, von daher würde ich anderen raten: Ruhig mutig sein.

Frau Harth, vielen Dank für das Interview. Wir wünschen Ihnen für Ihr Studium weiterhin viel Erfolg!

1. September, 2016 | 17:16
zdi | Zukunft durch Innovation

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