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Schüler lernen Umwelttechnik in Steinfurt kennen

“Und jetzt lassen wir es regnen”, sagt Prof. Dr. Helmut Grüning. Sein Mitarbeiter öffnet den Hebel und Wasser schießt aus dem großen Sammelbehälter in die Rohre, es blubbert, schäumt, spritzt. An der Stelle, wo der Gulli-Deckel simuliert wird, steigt das Wasser schnell hoch. Kleine gelbe Kügelchen, die Schmutzteilchen sein sollen, wirbeln durch die Rohre. Weiter hinten tritt das leicht blau gefärbte Wasser über die Ufer und mit ihm ein großer Teil der gelben Kugeln. “Ihr seht: Wenn es regnet, dann ist das eine ziemliche Belastung für unsere Abwasserrohre. Die Schmutzpartikel werden aufgewirbelt, ein großer Teil des Wassers läuft einfach wieder in die Natur und schafft es nicht zur Kläranlage.”

Im Labor für Urbanhydrologie lernten die Schüler, wie das Abwassersystem funktioniert.

Im Labor für Urbanhydrologie lernten die Schüler, wie das Abwassersystem funktioniert.

 

Mit Hilfe dieses Modells im Labor für Urbanhydrologie und Wasserversorgung erforschen Grüning, seine Kollegen und die Studierenden der Fachhochschule Münster am Standort Steinfurt das Verhalten des Abwassers in Rohrsystemen. “Unser Ziel: Wir möchten möglichst alle umweltschädlichen Stoffe wie Medikamentenreste und Schwermetalle durch die Rohrsysteme zur Kläranlage bringen.” Bei gutem Wetter ist das auch kein Problem. Wenn es aber regnet, werden alle Teilchen aufgewirbelt, die sich abgesetzt haben. Und dann gelangt nur ein kleiner Teil in die Kläranlage, die meisten landen in der Natur und gelangen so ins Grundwasser. “Wir versuchen also zu berechnen, wie die Kanalisation gebaut sein muss, damit sich möglichst wenig Teilchen absetzen.”

Was tun Ingenieure im Bereich der Umwelttechnik?

Der Besuch in dem Labor ist Teil des Projekttages, den 28 Schülerinnen und Schüler der neunten Klasse der Gesamtschule Saerbeck erlebt haben. Unterstützt vom zdi-Zentrum Kreis Steinfurt lernten die Jugendlichen einen Nachmittag lang Forschungsprojekte und Labore des Fachbereichs Energie – Gebäude – Umwelt der Fachhochschule Münster kennen. Die FH-Mitarbeiter hatten drei Stationen vorbereitet, die die Schüler in Kleingruppen besuchten. Neben der Wasserthematik standen Elektromobilität und Mikrobiologie auf dem Plan.

“So leise fährt ein Elektroauto”

Prof. Dr. Christof Wetter stellte ihnen die aktuelle Forschung zur Elektromobilität vor. Auf zwei E-Fahrrädern konnten die Neuntklässler selbst den Elektroantrieb testen. Bei einer kleinen Spritztour mit dem hochschuleigenen Elektro-Fahrzeug, das dank „Range Extender“-Technik sowohl Strom als auch Benzin tanken kann, erklärte Wetter, wie die Kombination der beiden Antriebsarten funktioniert. „Ich wusste nicht, dass ein Elektroauto so leise fährt“, staunte Schülerin Eva nach der Fahrt. Nebenbei erfuhr die Klasse viel Wissenswertes über elektrische Spannung, Stromstärke und Steckerarten – Physikstunde einmal anders. Erstaunlich war auch, dass es nur eine halbe Stunde dauert, um das Elektromobil zu laden, bevor es wieder 180 Kilometer weit fahren kann.

Prof. Dr. Christof Wetter gab den Schülern der Gesamtschule Saerbeck Einblick in den Motor eines Elektro-Fahrzeugs.

Prof. Dr. Christof Wetter gab den Schülern der Gesamtschule Saerbeck Einblick in den Motor eines Elektro-Fahrzeugs.

 

Großes Gewimmel im Wassertropfen

Rund um das Leben in einem Wassertropfen ging es im Labor für Wasser, Abwasser, Abfall und Immissionsschutz. Angeleitet von Prof. Dr. Hans-Detlef Römermann betrachteten die Schüler eine konzentrierte Wasserprobe aus dem Tiggelsee unter dem Mikroskop – und bekamen dabei ein großes „Gewimmel“ an unterschiedlichen Planktonarten zu sehen. „Diese Organismen sind wichtige Bioindikatoren, die viel über das Gewässer und die Gewässergüte aussagen“, erläuterte der Hochschullehrer, der sich als Mikrobiologe mit noch viel kleineren Bakterien für die Entsorgungstechnik beschäftigt.

Wie viel Leben steckt in einem Tropfen Wasser? Die Neuntklässler untersuchten Proben aus dem Tiggelsee unter dem Mikroskop.

Wie viel Leben steckt in einem Tropfen Wasser? Die Neuntklässler untersuchten Proben aus dem Tiggelsee unter dem Mikroskop.

 

Ein Regenwasserfilter als Abschlussarbeit

Im Labor für Urbanhydrologie lernten die Jugendlichen neben der Problematik um Schmutzpartikel auch, wie viel Kilometer Kanal in ihrer Heimat liegen: Bei 7000 Einwohnern in Saerbeck geht Prof. Grüning von 100 bis 200 Kilometern öffentlichen Kanälen aus. Und auch das Thema Studium griff er auf: Als Beispiel für ein Thema einer Abschlussarbeit zeigte er einen Regenwasserfilter, der Schwermetalle auffangen und binden soll. “Der funktioniert aber leider noch nicht so, wie wir uns das vorstellen”, sagt er.

Neben neuem Fachwissen nahmen die Schüler viele Informationen für ihre Studien- und Berufswahl mit. Für einige war es der erste Einblick in eine Hochschule. Prof. Dr. Christof Wetter betonte, dass ein Ingenieurabschluss gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt bietet: „Besonders nach einem Studium mit Schwerpunkt Umwelttechnik findet man ganz sicher einen gut bezahlten Job.“

Zuhause wird weiter geforscht

Für die Jugendlichen scheint das Thema Beruf noch etwas weit weg, aber sie waren dennoch begeistert von dem Tag. Jonas (16) und Rick (15) sagten: “Es war total interessant, weil wir so etwas in der Schule einfach nicht machen können.”

„Schön, dass die Schüler so viel selbst ausprobieren durften“, lobte Lehrerin Christa Werning, die mit weiteren Kollegen die Klasse begleitete. „Auf diese Weise lernen sie immer am besten.“ Auch zuhause können die Schüler nun als Forscher aktiv werden: Zum Abschied bekamen sie ein kleines Wasseranalyse-Set geschenkt.

www.zdi-kreis-steinfurt.de

 

Drei Fragen an…

Prof_Christof_Wetter_2kWarum sollten junge Menschen sich mit Umwelttechnik beschäftigen? Prof. Wetter als Experte für Elekromobilität gibt gerne Antworten auf mehr als drei Fragen zu seinem Engagement bei zdi und der Nachwuchsförderung:

Wie sind Sie persönlich zu Ihrem Beruf gekommen?
Ich habe als Jugendlicher viel auf Baustellen gearbeitet und bin von Technik fasziniert, gleichzeitig liebe ich die Natur und möchte einen Beitrag für den Erhalt einer gesunden Umwelt leisten. Mit dem Beruf des Ingenieurs kann ich beides miteinander verbinden.

Warum sollten sich junge Menschen für ein MINT-Fach entscheiden?
Weil die Tätigkeiten im Bereich der MINT-Fächer spannend, sehr abwechslungsreich und zukunftssicher sind.

Wie können wir es schaffen, Jugendliche für diese Themen zu begeistern?
Wir müssen deutlich machen, dass jeder einzelnen einen Beitrag für eine lebenswerte Zukunft leisten kann, insbesondere wenn er oder sie im MINT-Bereich tätig ist.

Welche Chancen sehen Sie langfristig in der Elektromobilität?
Die Elektromobilität ist DIE Chance unsere Abhängigkeit von fossilen Kraftstoffen, die heute mehr als 93 Prozent ausmachen, zu brechen. E-mobil unterwegs zu sein wird in fünf bis zehn  Jahren selbstverständlich sein.

14. Juli, 2014 | 12:47
zdi | Zukunft durch Innovation

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