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Tatort Hamm: Spurensuche im Labor

Verbrecher jagen mit Pipette und Reagenzglas? In der Forensik, der Gerichtschemie, ist das Alltag. Im zdi-Ferienkurs “Tatort Hamm” sind zehn Schülerinnen und Schüler in den Laboren an der Hochschule Hamm-Lippstadt nun selbst auf  Spurensuche gegangen.

„Wir zeigen hier vor allem, welche Methoden Gerichtsmediziner tatsächlich anwenden”, erklärt Laborleiter Nils Reuter. Nicht alles, was bei CSI und im Tatort gezeigt wird, ist auch realistisch. Ein wichtiges Werkzeug der Spurensuche ist die DNA: Das Erbgut steckt in jeder Zelle des menschlichen Körpers. Besonders gut lässt sich DNA aus Speichel isolieren. Im Labor nehmen die teilnehmenden Jugendlichen ab Jahrgangsstufe 9 daher zunächst selbst Speichelproben. Mit etwas Geschick isolieren sie aus den vielen darin enthaltenen Mundschleimhautzellen DNA. Die ansonsten tief im Zellkern einer jeden menschlichen Zelle gut verstaute Erbinformation wird im Lösungsmittel als tanzende Schliere sichtbar.

Auf den eingefärbten Gelpads werden nach der Gelelektrophorese Bandenmuster der DNA sichtbar.

Mit etwas Geduld werden auf den eingefärbten Gelpads nach der Gelelektrophorese die Bandenmuster der DNA sichtbar.

Doch wie können Spuren am Tatort überhaupt ausgewertet werden? Für Forensiker typische DNA-Verfahren wie die Gelelektrophorese konnten die Jugendlichen im Kurs selbst ausprobieren. Die zuvor vervielfältigte DNA-Probe wird dazu auf ein Gel gegeben. Beim Anlegen einer elektrischen Spannung, trennt sich die DNA der Größe nach auf. Durch Einfärben und mit etwas Geduld machen die Jugendlichen schließlich ein typisches Bandenmuster sichtbar. Gerichtsmediziner könnten daraus einen charakteristischen, genetischen Fingerabdruck ableiten, diesen mit denen von Tatortspuren vergleichen und damit auf Täterjagd gehen. Der Täter im zdi-Kurs? Ein eher harmloses Bakterium. „Für unseren Kurs haben wir einfache, präparierte DNA  eines Bakteriums genutzt”, erklärt Reuter.

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Zusammen mit Laborbetreuer Nils Reuter bereiten die Schüler den Versuch vor.

Doch nicht nur DNA-Spuren sind wichtig. Regelmäßig müssen Proben analysiert werden, ob nicht giftige oder verbotene Substanzen enthalten sind. Auch das testen die Jugendlichen – in diesem Fall mit unbedenklichem Grünzeug. Efeu und Wildblumen werden zerkleinert, mit Sand und Lösungsmittel zermörsert und dann in Laufflüssigkeit gegeben. Kapillarkräfte sorgen dafür, dass sich das Gemisch langsam nach oben zieht. Bei dieser sogenannten Chromatographie entsteht ebenfalls ein für jeden Stoff typisches Muster. „Gleicht man dieses mit einer Referenzdatenbank ab, lässt sich herausfinden, um welche Stoffe es sich handelt”, erklärt Reuter den Schülerinnen und Schülern.

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Die Dünnschichtchromatographie macht sichtbar: Die chemische Zusammensetzung von Efeu und Blumen unterscheidet sich.

Für Gerichtsmediziner und Forensiker sind solche Analysen Alltag. Dabei sind nicht alle Fälle spektakulär. Schließlich müssen täglich auch viele Blut- und Urinproben aus Kontrolluntersuchungen auf Drogen- und Alkoholkonsum untersucht werden. Auch in Umweltämtern werden Analytiker gebraucht, die beispielsweise Gewässerproben begutachten können. Ein paar Räume weiter stellt Laborleiter Alexander Surminski den Teilnehmenden vor, wie im Studium und später im Beruf professionelle Analysen durchgeführt werden, unterstützt von modernen Maschinen.

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Im Hochschullabor der Studierenden zeigt Laborleiter Alexander Surminski das Ergebnis einer Chromatographie.

Für Teilnehmerin Lea hat sich der Kurs gelohnt: „Ich wollte einfach mal ausprobieren, wie es ist, im Labor zu arbeiten.” Auch Kursteilnehmer Jan freut sich über die Gelegenheit, im Kurs vieles einfach mal praktisch auszuprobieren. Ob er später einmal in dieser Richtung studieren möchte? „Da bin ich mir noch nicht sicher, aktuell könnte ich mir auch ein Mathematik- oder Informatikstudium vorstellen”, so der 15-Jährige. Für Jugendliche, die später auch beruflich auf Spurensuche gehen wollen, bietet die Hochschule Hamm-Lippstadt unter anderem den Studiengang „Umweltmonitoring und Forensische Chemie” an, an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg  beispielsweise die Studienrichtung „Naturwissenschaftliche Forensik an”. Universitäten lehren Rechtsmedizin häufig auch als Teilgebiet für Studierende der Humanmedizin oder Biochemie.

20. Juli, 2016 | 15:14
zdi | Zukunft durch Innovation

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