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Unter der Lupe: DIY-Technik, die den Alltag erleichtert

Wie komme ich an mein Getränk? Wie schalte ich den Fernseher um? Als Lehrer an einer Schule für körperbehinderte Menschen kennt Nils Beinke so manche Herausforderung im Alltag von Menschen mit Behinderung. Als passionierter Hobby-Bastler verbindet er Spaß an Technik mit Hilfe für den Alltag. Auf seinem Blog MakersHelpCare.de bietet der 32-Jährige Vorlagen für kleinere Hilfsmittel wie Strohhalmhalter zum Selberbasteln oder -drucken. In einem Workshop im zdi-Schülerlabor “coolMINT” haben Jugendliche mit und ohne Behinderung unter seiner Leitung nun gemeinsam solche Do-it-Yourself-Hilfsmittel gebastelt und gelötet.

Wie lief der erste gemeinsame Kurs und worum ging es?
Die Idee, technisches Wissen in einem inklusiven Rahmen zu vermitteln, fanden wir alle super spannend. Die benachbarte Gesamtschule hat sich schnell überzeugen lassen, mitzuwirken. Die Kids bauten große Schalter, die den motorischen Möglichkeiten von Schülern mit Behinderung entgegenkommen. Damit lassen sich elektrische Dinge in ihrer Umgebung ansteuern, z. B. Spielzeug, Elektrorollstuhl oder PC. Das Gehäuse und der Knopf kommen dabei aus dem 3D-Drucker. Die Kabel müssen von den Schülern verlötet werden. Es war genial zu beobachten, wie die Schüler voneinander lernten. Manche haben an diesem Tag das Löten gelernt und andere, wie sie einen Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich unterstützen können. Die Rückmeldungen der Schüler waren überwältigend positiv. Jeder hatte großen Spaß.

Welche Möglichkeiten bieten 3D-Druck & Co denn bereits für Menschen mit Beeinträchtigungen?
Im Netz gibt es Stifthalterungen, 3D-Straßenkarten für Sehbehinderte, einfache Hand-Prothesen und noch unzählige Hilfsmittel mehr. Alles frei zum Download verfügbar. Durch die neue Technik ist da auch in Zukunft der Fantasie keine Grenze gesetzt. Alles, was sich am PC zeichnen lässt, lässt sich auch irgendwie mit dem 3D-Drucker ausdrucken. Ganz gut angekommen im Netz und bei uns in der Förderschule ist beispielsweise der von mir entworfene Getränkehalter. Häufig kommen Kollegen auf mich zu und fragen: “Können wir nicht so etwas drucken?” Es gibt noch unzählige Ideen für weitere Hilfsmittel und ich hoffe, ich kann sie irgendwann alle umsetzen.

Was begeistert dich selbst für das Thema DIY-Hilfsmittel?
Mich fasziniert die Technik und das ungeheure Potenzial des 3D-Drucks. Jemand kann in einer Strandhütte auf Neuseeland ein Hilfsmittel entwerfen, es hochladen und ein paar Stunden später probiere ich es in Paderborn zusammen mit meinen Schülern aus. Im Idealfall passt es sofort und der Alltag eines Menschen hat sich erheblich vereinfacht. Dieser Gedanke der Vernetzung hat mich auch dazu gebracht mit MakersHelpCare.de einen Blog über DIY-Hilfsmittel zu starten. Ich hätte mir gewünscht, dass ich so eine Webseite damals gehabt hätte. Daher wäre mein Tipp für Leute, die selbst aktiv werden möchten, natürlich erstmal sich auf der Seite und im Web umzusehen. Über die sozialen Medien kann man sich außerdem sehr schnell austauschen. Gerne kann mich jeder anschreiben, der Fragen zum Thema hat.

Nils Beinkes Blog ist zu finden unter www.makershelpcare.de.

28. März, 2018 | 14:39
zdi/bdo
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