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Unter der Lupe: „Wir bieten nur einen Rohstoff“

Reinhardt Böhm bei der Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung Ende Juni.

Gemeinsam mit Kollegen rief Reinhardt Böhm, Grundschulrektor und Dezernent der Bezirksregierung Münster im Ruhestand, vor mehr als zehn Jahren  PhänomexX ins Leben. Heute sind PhänomexX-Schülerlabore mit ihrem Konzept bereits an vier Standorten aktiv – und es sollen mehr werden. U.a. mit Hilfe der aktuell gestarteten Kooperation zwischen zdi.NRW und dem Verein PhänomexX e.V.

Herr Böhm, wie ist das Konzept von PhänomexX entstanden?
Angefangen hat PhänomexX 2006 in leerstehenden Räumlichkeiten auf der Zeche Westfalen in Ahlen im Zuge eines großen Nachnutzungsprojektes. Gemeinsam mit vier Schulleitern haben wir dort das erste Schülerlabor gegründet, zunächst mit einem einfachen ersten Stationenparcours zu den Themen Luft und Wasser. Im Laufe der Zeit haben sich viele Fachlehrer mit Feedback und Hinweisen eingebracht, die in unsere Arbeit eingeflossen sind. Daraus entstand später u.a. das Forscherheft, das die Kinder am Besuchstag nutzen können. Mittlerweile ist PhänomexX an mehreren Standorten und seit März 2016 als eingetragener Verein mit 22 Mitgliedern aktiv. Unterstützt wird er u.a. von Frau Dorothee Feller, Präsidentin der Bezirksregierung Münster, als Schirmherrin.

Was zeichnet das Konzept von PhänomexX aus?
Die Angebote sollen Kinder aus dem vierten bis sechsten Schuljahr ansprechen, je nach Einschätzung der Lehrer auch Kinder aus dritten bis siebten Klassen. Zudem richten sich die Labore bewusst an alle Schulformen. Das heißt, die angebotenen Versuche und Experimente mussten von Anfang an eine große Bandbreite abdecken. Die Lehrer werden vorher zu einer verpflichtenden Fortbildung eingeladen und mit vielfältigen Materialien unterstützt. Denn: am Besuchstag leiten sie die Klassen im Schülerlabor eigenständig an. Wichtig ist uns, dass wir nur einen Rohstoff anbieten, das passende Endprodukt für ihre Klasse gestalten letztlich die Lehrkräfte. Wir bieten den Kindern kein schnelles Erlebnis, sondern die Erfahrungen im Schülerlabor sollen Anregungen geben, sich im Nachgang weiter mit dem Thema zu beschäftigen. In den vergangenen elf Jahren haben 23.000 Schülerinnen und Schüler das PhänomexX-Schülerlabor in Ahlen besucht.

Wo können Schulen PhänomexX-Schülerlabore bereits nutzen?
PhänomexX ist im Münsterland mittlerweile an vier Standorten aktiv. In Ibbenbüren vermitteln in einem ehemals leerstehenden Schulgebäude die Lernstationen vor allem IT-Grundlagen: Wie funktionieren binäre Zahlen? Wie ist ein Computer aufgebaut? In Bocholt bauen wir unsere Lernlandschaften in einer seit Jahren etablierten Lernwerkstatt auf. Interessierte Lehrkräfte können dort auch einzelne, mobile Module für ihren Unterricht ausleihen. In Emsdetten bietet ein kleinerer Standort Angebote schwerpunktmäßig zum Thema Elektrizität an. Ab Herbst 2017 wird das Angebot mit Unterstützung der Stadtverwaltung und der Schulaufsicht ausgeweitet. Insgesamt verfügt Phänomexx über Lernstationen zu mittlerweile zwölf verschiedenen Themen, die zu den Lehrplänen passen und im Wechsel angeboten werden können.

Haben Sie selbst ein Lieblingsexperiment?
Ich mag die Experimente zu Schall und Musik ganz besonders. Beispielsweise bieten wir Experimente zur Erzeugung hoher und tiefer Töne oder zur Verbreitung von Tönen. Ein Gong wird angeschlagen und auf einer danebenstehenden Trommel beginnen Reiskörner zu tanzen. Ein für Kinder faszinierendes Phänomen. Für die Lehrkräfte besonders spannend sind auch die Angebote zur Stromerzeugung und regenerativen Energien. Auch moderne Themen wie die Bionik werden sehr gut angenommen.

Was erhoffen Sie sich durch die Kooperation mit zdi.NRW?
In Zusammenarbeit mit zdi.NRW planen wir zunächst, die Standorte im Münsterland weiter auszubauen. Dafür hat unser Techniker in der Werkstatt in Ahlen begonnen erste Exponate zu reproduzieren. In der Zwischenzeit können auch einzelne Interessierte aus den angrenzenden Regionen das Angebot nutzen. Unser langfristiges Ziel ist, das Konzept an Standorten landesweit anbieten zu können. Hierfür arbeiten wir gemeinsam mit zdi an tragfähigen Modellen für die Standorte vor Ort und suchen Unterstützer. Bei allen Aktivitäten ist uns sehr wichtig, dass den teilnehmenden Schulklassen – wenn überhaupt – nur minimale Kosten entstehen.

Was ist Ihre persönliche Motivation?
Ich bin davon überzeugt, dass Kinder und Jugendliche sich grundsätzlich sehr gerne mit Naturwissenschaften und Technik beschäftigen. Ich bin immer wieder fasziniert, wie hellauf begeistert die Kinder unsere Experimente ausprobieren. In meiner Zeit als Grundschullehrer habe ich selbst erfahren, dass der naturwissenschaftliche Bereich in den Schulen etwas verkümmert. Warum eigentlich? Ich möchte helfen, diesen Themenbereich wieder zu einem zu machen, in dem die Kinder herausgefordert werden. Das kann und soll durchaus spielerisch geschehen, ohne das Lernen zu vernachlässigen. Wir möchten das Themenfeld wieder öffnen und dabei helfen, dass eine Forscherhaltung bei Kindern entsteht.

 

Wir bedanken uns für das Gespräch. Weitere Informationen zur Kooperation finden Sie hier.
Weitere Informationen zu PhänomexX unter www.phaenomexx.info.

 

 

30. August, 2017 | 12:26
zdi/bdo
zdi | Zukunft durch Innovation

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