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Weihnachts-Werkeln in Bochum

 

Leise rieseln die Flocken neben Robin zu Boden. Zarte Flocken, fein und – rosa. Das, was sich da vor Robin über der Werkbank verteilt, ist nicht aus Wasser sondern aus Plastik. Fachmännisch pustet der Zwölfjährige auf das Ende der roten Plastikstange in seiner Hand, begutachtet das Ergebnis und klemmt die Stange noch einmal in die Bohrmaschine. Das Loch ist nicht tief genug, später sollen darin einmal die Räder eines Snowmobils befestigt werden. Links neben Robin steht Philipp an der Fräse, am Kopfende sägt Anton die Seitenteile für sein Snowmobil.

Geschenke, Geschenke

Werken, kleben, löten. Die weihnachtlichen Workshops des zdi-Netzewerks IST.Bochum.NRW bieten technische Probierfläche für Kinder ab der fünften Klasse. Im “Weihnachts-Technik-Wunderland” mitten in der Bochumer Innnenstadt basteln die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an letzten Weihnachtsgeschenken. Für andere – oder auch für sich selbst. Denn das Snowmobil will Anton gern behalten, Robin seines genauso. “Ich kann es zu Hause zum Fahren bringen”, erklärt er und bedient weiter die Bohrmaschine. Sein Vater ist Modellbauer, zu Hause wollen sie einen kleinen Elektromotor in das Mobil einbauen. Bleibt nur zu hoffen, dass der Schnee für die Kettenräder auch noch fällt.

“Druck deinen Schmuck”

Einen Tisch weiter beugen sich sieben Mädchen konzentriert über silberne Laptops. Im Hintergrund leuchtet ein weißer Kasten. Der Kasten ist ein 3D-Drucker, die Mädchen entwerfen gerade einen Einkaufschip. Zur Übung, bevor sie eigene Schmuckstücke mit dem 3D-Drucker fertigen. Auch Lilli (10) möchte wie die Jungs ihr Selbstgebasteltes gern behalten. Sie will einen Ohrring entwerfen, kämpft jedoch gerade noch mit dem Designprogramm. Die Betreuer des zdi-Netzwerks helfen den Mädchen dabei, ihre Ideen richtig grafisch umzusetzen.

Blinkt es oder blinkt es nicht?

Maren braucht da weniger Hilfe. Vorsichtig streicht die Sechzehnjährige mit dem Lötkolben über eine Platine. Sie kennt die Grundlagen der Elektrotechik bereits und hat bereits einmal gelötet. “Ich habe schon öfter solche Technikkurse gemacht”, erklärt sie. “Das letzte Mal haben wir einen Thermometer entworfen, bei dem man Außen- und Innentemperatur messen kann.” Im Weihnachts-Technik-Wunderland soll jetzt ein LED-Würfel entstehen. An jeder Kante wird eine LED befestigt, die automatisch die Farbe wechselt. Mit Hilfe einer Schablone werden die einzelnen Seiten aufgebaut und anschließend verbunden. Ob es am Ende blinkt oder nicht, bleibt auch als Profi spannend. Deshalb weiß Maren auch noch nicht, ob sie das Blinkgebilde verschenkt oder nicht. “Je nachdem, wie es hinterher aussieht.”

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Ausgebuchte Weihnachts-Workshops

So tüfteln überall in den Räumen des Bochumer Blue Square Jungen und Mädchen an eigenen Projekten. Dass das Weihnachts-Technik-Wunderland komplett ausgebucht ist, liegt vielleicht nicht nur an den spannenden Workshops. Die Nähe zum Weihnachtsmarkt mag auch ein Argument gewesen sein, wenn auch eher für die Eltern. Während ihre Kinder basteln, löten und programmieren, tätigen sie letzte Weihnachtseinkäufe. “Hinter der Idee steckt auch ein kleiner Servicegedanke an die Eltern”, gesteht Raphaela Meißner vom zdi-Zentrum. Gemeinsam mit dem Duisburger Nachbarn, dem zdi-Zentrum DU.MINT Duisburg-Niederrhein, organisierten sie das Weihnachts-Technik-Wunderland. Auch in Duisburg kam das Angebot bereits gut an.

Kunst vom Roboter

Wer selbst nicht künstlerisch tätig werden will, kann das auch von Robotern erledigen lassen. Unter dem Motto “Ist das Kunst oder kann das weg?” wird der Roboter zum Künstler. Die Kinder bauen zunächst einen Lego-Roboter zusammen, der anschließend mit einem Pinsel im Greifarm zum Maler wird. Automatisierte Kunst. “Oder frei nach Walther Benjamin, Kunst im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit”, bringt es Sergej Stoetzer in einen größeren Zusammenhang. Nebenan bringen sechs Kids dagegen dem “NAOKolaus”, einem humanoiden Roboter, Kunststückchen bei. Laura (10) ist das einzige Mädchen in der Gruppe. “Aber das bin ich gewöhnt. Mädchensachen finde ich oft nicht so interessant”, bemerkt sie selbstbewusst. Schmuck aus dem 3D-Drucker hat sie deshalb auch nicht gereizt: “Ich wollte auch mal was ausprobieren, was nicht jeder macht. Und nur weil ich ein Mädchen bin, bedeutet das ja nicht, dass ich es nicht kann.” Womit sie natürlich völlig recht hat. Wie zum Beweis legt der Roboter ein kleines Tänzchen hin. Denn: “Er kann sogar Gangnam-Style tanzen!”

22. Dezember, 2014 | 10:15
Autorin: mwi
zdi | Zukunft durch Innovation

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