Startseite » Aktuelles » Mit Helm und Klettergeschirr aufs Windrad

Mit Helm und Klettergeschirr aufs Windrad

Windrad von außen.

Windrad von außen.

Der Aufzug ist eng, wackelig und ziemlich laut. Die Führungsräder rattern auf den Drahtseilen, nach unten schauen können Laurena und Wenjia nicht so gut, weil ihre Helme an die Scheiben stoßen. Nach unten schauen wollen sie auch nicht wirklich, denn das Gefährt befindet sich in beunruhigender Höhe über dem Boden des Windrades in Altenbeken.

Als die Mädchen oben angekommen sind, öffnen sie vorsichtig die Tür, sichern den Aufzug und steigen aus auf eine schmale Plattform. Der Durchmesser des Windrad-Turms beträgt nur ein paar Meter.  Ganz oben sind sie aber noch nicht: Zuerst müssen sie noch eine schmale Leiter hinaufklettern, wissen aber noch nicht, wie sie sich dort sichern müssen. Also warten sie auf ihren Begleiter Dietmar Sage von der Firma Lackmann Phymetrik, der noch damit beschäftigt ist, eine andere Gruppe zu begleiten.

Hoch klettern oder Aufzug fahren

Auch am Fuße des Windrades wird gewartet. Insgesamt 16 Schülerinnen und Schüler von Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien, die am 4. Lippe Energy Camp des zdi-Zentrums Lippe.MINT teilnehmen, möchten auf das Windrad klettern. Auf 138 Meter Höhe. Dort befindet sich die Nabe des Rades. Zum Vergleich: Der Kölner Dom ist 157 Meter hoch.

Um das Windrad zu erklimmen, gibt es zwei Varianten. Entweder fährt man mit dem Aufzug oder klettert an einer schmalen Leiter empor. Dabei ist man gesichert. Doch selbst für erfahrene Kletterer wäre dies zu anstrengend. Christoph Michaelis, Mitarbeiter des Windparks Asseln, zu dem das Windrad gehört, entscheidet schnell, dass die Kletterpartie ausfällt, weil sie zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde.

 

 

Doch auch die Fahrt mit dem Aufzug dauert. Man benötigt etwa zehn Minuten nach oben. Es können maximal drei Personen mitfahren, weil es sonst zu schwer würde. Laurena und Wenjia fahren als dritte Gruppe nach oben. Etwas mulmig ist den Mädchen schon zu Mute, vor allem, als sie oben nicht wie erwarten von Dietmar Sage in Empfang genommen werden. Ein leichtes Schwanken bemerken sie auf der Plattform oben. Doch hätten sie mit mehr Bewegung gerechnet. Insgesamt ist es sehr stabil auf dem Turm.

Zwölf Meter im schmalen Turm klettern

Endlich kommt Herr Sage. Der schwierigste Teil steht Wenjia und Laurena noch bevor: Sie müssen nun die letzten zwölf Meter durch den schmalen Turm klettern. Sie sichern sich an einer Schiene an der Leiter und wagen sich nach oben. Es ist anstrengend, weil man wenig Platz hat und jede Bewegung langsam ausführt. Außerdem sind die Sicherungsgurte sehr schwer.

Nach wenigen Minuten haben die Mädchen es geschafft. Sie stehen im Maschinenhaus des Windrades, in dem sich Triebstrang, ein Teil der elektrischen Ausrüstung, die Windrichtungsnachführung, die Rotorkopflagerung sowie Hilfsausrüstung wie Kühlsysteme und Elektronik befinden.

Franziska und Jan nehmen die Mädchen in Empfang. Die 15-Jährige und der 16-Jährige waren schon zuvor nach oben gefahren. Beide sind begeistert von dem Energy Camp. “Ich interessiere mich vor allem für Mathe”, sagt Franzsika. “Ich will mich aber erst informieren, bevor ich einen Beruf wähle.” Beim Ausflug zum Windrad lernt sie etwas über die Arbeit der Techniker. Sie klettern übrigens nur selten durch das Rad. Meist verbringen sie ihre Arbeitszeit im Kontrollraum. Jan findet Technik allgemein cool. “Vor allem interessiere ich mich für Elektroautos.” Die stehen an einem anderen Tag auf dem Programm.

Als Herr Sage zu Wenjia und Laurena hinzukommt, beginnt der Höhepunkt der Besichtigung: Er öffnet die Luke des Maschinenhauses und erlaubt den Besuchern, auf das Dach zu steigen. Atemberaubend ist diese Aussicht!

Ausblick vom Windrad

Ausblick vom Windrad

 

Wenjia und zwei Schüler machen es sich bequem auf dem Dach. Man erkennt dort, wie groß die Leuchtdioden sind, mit denen Flugzeuge vor den Windrädern gewarnt werden. Auch die Rotorblätter sind riesig. Sie drehen sich schon bei einer Windgeschwindigkeit von etwa zehn Kilometer pro Stunde. Im Jahr erzeugt das Rad so viel Strom, dass 1900 Haushalte versorgt sind. Wegen der Besucher ist das Rad aber ausgeschaltet.

 

Als Wenjia und Laurena wieder am Boden ankommen, sind sie erleichtert. Der Abstieg war mindestens genauso aufregend wie die Fahrt nach oben. Die Dämmerung ist über Altenbeken hereingebrochen. Auch die anderen Schülerinnen und Schüler sind erschöpft. Und ein bisschen froh, dass ihnen niemand erlaubt hat, über die Leiter auf den Turm zu klettern.

 

22. Oktober, 2013 | 14:53
zdi | Zukunft durch Innovation

zdi | Zukunft durch Innovation